26. Mai 2008...23:51

Nielsen und die Realität

Zu den Kommentaren

Bruttowerbeerlöse Januar-April 2008(AH) - Zusammen mit der ganzen Medienbranche findet sich auch die Werbewirtschaft in einem Umbruch wieder, der sich gewaschen hat. Budgets werden gespart, aufgeteilt und auch ganz an neue Player abgegeben. Nach einem ziemlich katastrophalen März und 1. Quartal sagt nun das kollektive Branchengewissen Nielsen Media Research in seinen Bruttowerbeumsätzen bis April: Aufatmen.

Naja - Wenn man sich mit 0,5% bereinigtem Wachstum insgesamt zufrieden gibt eine tolle Sache. Vor allem die Zeitungsverlage sollen um ganze 0,8% zugelegt haben. Wow. Das Internet gab Gummi und kommt auf 44%. Und auch für TV gab es 2,5% mehr als Jan-Apr 2007. Loser sind Radio (minus knapp sieben), Magazine (-2,5%) und Plakat (-38%). Mehr Details hier.

Nun aber zur Wahrheit / Realität. Dr. Rainer Esser, seines Zeichens Geschäftsführer der Wochenzeitung “Zeit” aus dem Hause Holtzbrinck schätzt da tatsächliche Minus auf 10% in den ersten vier Monaten für die Branche. Boris Schramm, quasi Chef-Einkäufer von Print und Radio der Group M in Düsseldorf sagt: “Wenn alles gut geht wird das Minus am Ende bei 5% liegen.” Beide Zitate stammen aus der aktuellen Ausgabe der Horizont (21/2008). Und auch weitere Stimmen sagen klar, dass die Zeiten nicht so rosig sind wie Nielsen sie gerne herbeizaubern würde.

Hinzu kommt die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Kunden im Internet für die derzeitigen Angebote. Jürgen Scharrer, zweiter Chefredakteur bei Horizont, kommentiert dies so: “Das ist bitter, noch bitterer ist, dass auch das Onlinegeschäft hinter den Erwartungen zurückbleibt.”

Laut Google-Chef Eric Schmidt ist das wahre Geschäft ja bald ohnehin nicht mehr im Internet auf Computern, sondern auf Handyscreens zu machen. Und wer dann immer noch Zweifel an der Veränderung hat kann sich hier eine extrem gute Erklärung dafür holen, warum traditionelle Werbeformate online nicht funktionieren.

Der Werbemarkt verändert sich und wer denkt bunte (womöglich blinkende) Bilder animieren heutige Konsumenten nachhaltig etwas zu kaufen ist im Jahr 2008 (und auch schon einigen Jahren davor) einfach schief gewickelt.

Eine Antwort hinterlassen