(SSp) - Hatten Sie beim Surfen im Internet schon mal das Gefühl, dass Ihnen mehr Klicks als eigentlich nötig abverlangt wurden, bis Sie eine bestimmte Zeilseite erreicht haben?
Haben Sie sich schonmal gefragt, warum Sie beim Betrachten von (allseits beliebten) Bildergalerien ständig selber weiterklicken müssen, obwohl sich das wunderbar automatisiern ließe?
Ihr Gefühl hat Sie natürlich nicht getäuscht, das Sammeln von Klicks hat System.
Denn jeder Klick bedeutet eine neue Page Impression (PI) - und jede PI lässt sich (zumindest theoretisch) an Anzeigenkunden verkaufen. Und vor allem die IVW-geprüften Onlineauftritte der Verlage sind inzwischen Meister im Sammeln von Klicks:
“So wurden im März 2008 für 590 der IVW angeschlossenen Online-Angebote insgesamt 32,44 Mrd. PageImpressions (PIs) und 2,56 Mrd. Visits festgestellt. Im direkten Vergleich mit dem Vorjahr hat sich damit die Nutzung IVW-geprüfter Online-Angebote - gemessen nach dem Abruf einzelner Seiten - mit einem Plus von rund 118 Prozent mehr als verdoppelt und ist bei den gezählten Besuchen um gut zwei Fünftel angestiegen (März 2007: 480 Angebote mit 14,89 Mrd. PIs und 1,80 Mrd. Visits).” (Quelle IVW)
“Nur” zwei Fünftel mehr Besucher, dafür aber 118 Prozent mehr Klicks. Hat’s bei Ihnen jetzt auch “Klick” gemacht.
Richtig. Die Navigation durch News-Angebote wird künstlich aufgebläht, um AnzeigenkundenAnzeigenverkäufer glücklich zu machen. Was der Nutzer will, ist bestenfalls zweitrangig.
Anderes Thema: Freuen Sie sich schon auf die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft oder die olympischen Spiele im Sommer?
Besonders Olympia werden viele von uns am Arbeitspatz verfolgen müssen, da die meisten Medaillien durch die Zeitverschiebung am Vormittag bzw. in den Mittagsstunden vergeben werden. Wie gut, dass die praktischen Newsticker im Web gibt. So kann man während der Arbeit mit einem Auge die aktuelle Ereignisse mitverfolgen. Dachten Sie.
Denn wenn Sie den Newsticker bei Ihrer bevorzugten Tageszeitung lesen wollen, könnten Sie ihr blaues Wunder erleben. Wenn Ihre Zeitung den DPA-Ticker “eingekauft” hat, hat es sich für Sie schnell ausgetickert. Denn genau genommen haben diese News-Ticker der DPA ihren Namen garnicht verdient, sie müssten vielmehr “News-Klicker” heissen. Um möglichst viele IVW-relevante PIs zu erzeugen, hat man sich nämlich eine ganz besondere Schikane für Sie als Sportinteressierten einfallen lassen: das Ding tickert Ihnen die Updates nicht automatisch auf den Bildschirm, Sie dürfen für jede einzelne Aktualisierung schön brav selber klicken. Denn würde die Seite automatisch alle paar Sekunden neu geladen, wäre das keine IVW-relevante PI.
Was wird passieren?
Richtig, die genervten Nutzer werden auf Angebote umsteigen, die den Namen “Newsticker” auch verdient haben.
Ich meine, es ist an der Zeit, anstatt der künstlich erzeugten, hohen PI-Zahlen eine alternative Währung einzuführen, die den Nutzer weniger nervt. Ideen dazu gibt es, zum Beispiel die der “Total Minutes“. Dabei wird die Verweildauer des Nutzers auf einer Seite gemessen. Eine hohe Verweildauer ist ein Anzeichen für qualitativ hochwertige Inhalte - und darauf kommt es schließlich an. Wer sich schnell (und genervt) durch Seiten klickt wird für Werbebotschaften sicher weniger aufnahmefähig sein als ein Nutzer, der eine Seite intensiv und interessiert betrachtet. Das sollten auch Anzeigenkunden honorieren.





1 Kommentar
17. Juli 2008 um 10:15
[...] Jump to Comments (SSp) - Vor einiger Zeit hatte ich mich hier im Blog schon darüber beschwert, dass viele Verlage nur wegen ihrer PI-Zahlen ohne mit der Wimper zu zucken auf die Usability [...]
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