(AH) - Neben bloggen gehen wir ja in der zelect GmbH noch anderen Tätigkeiten nach. Beraten, zum Beispiel. Und zwar in erster Linie Tageszeitungen in ihren digitalen Strategien. Damit war ich auch die letzten Wochen stark beschäftigt und eine Frage, die in einem intimeren, unbeobachteten Moment von Verlegern, Geschäftsführern und Chefredakteuren kommt ist immer: Wie stehen wir denn da im Vergleich mit anderen Verlagen? Mit welchen Themen beschäftigen die sich denn?
So liegt der Gedanke nah diese Fragen einmal für einen Benchmark hier zu beantworten. Daher werde ich eine kleine Serie starten: “Die Sorgen der Verleger”, in der ich die generellen Problemstellungen behandeln möchte, die mir in unseren Projekten begegnen. Hier schon einmal die Themen, über die ich in den kommenden Wochen ausführlicher berichten möchte (Kritik, Kommentar und Ergänzung / Richtigstellung gewünscht!):
Das Internet, meine Region und meine Verkaufsmannschaft
Die meisten Verlage verdienen das meiste Geld online über Affiliate-Programme wie mit der OMS oder über Vermarktungs-Agenturen wie die Tomorrow Focus AG. Hinzu kommen ein paar Euro über CPX-Programme wie Google AdSense, Ligatus oder MIVA. Lokal, regional und mit der eigenen Verkaufsmannschaft geht leider noch nichts. Warum? Ein paar Schlüsselfragen:
- Wie weit ist mein Markt mit dem Thema Online-Werbung?
- Wie weit ist meine Verkaufsmannschaft mit dem Internet allgemein und Online-Werbung speziell?
- Welche Produkte habe ich denn zu verkaufen und zu welchen Preis?
- Welche Probleme lösen meine Online-Werbepakete für die Kunden?
- Wie zahle ich Provisionen für Online-Abschlüsse?
Wenn man diese Fragen beantworten kann, ist man schon sehr weit. Und wie man aus den Antworten eine erfolgversprechende Strategie entwickelt folgt bald.
Suchmaschinen - Freunde oder Feinde?
Man kann nicht mit ihnen und nicht ohne sie: Google & Co. sind heute hilfreiche Werkzeuge zur Steigerung des Verkehrsaufkommens auf den Verlags-Homepages und zur Gewinnung eines “Grundeinkommens”. Auf der anderen Seite scheint unklar, wie gefährlich sie für die Geschäftsmodelle der Verlagshäuser sind.
Eines muss man realisieren: Suchmaschinen sind keine Option. Sie sind Realität. Und sie sind FEST verwurzelt im Internet-Verhalten ALLER Menschen online. Es gibt also keinen Weg um sie herum. Aber es gibt verschiedene Wege mit ihnen. Welche, das beschreibe ich in Kürze.
Was ist “local search”?
Nur wenige Begriffe haben so einen großen Interpretations- und Investitions-Spielraum. Es kam mir schon unter als regionales Branchenverzeichnis, dem Anzeigen von Artikeln auf Karten, dem Crawlen und “findbar-machen” regionaler Internet-Angebote und einer GoogleMaps für das Verbreitungsgebiet. Eine Wahrheit gibt es keine - aber viele Chancen, wie Verlage mit den oben genannten Angeboten umgehen können. Wir schauen bald zusammen hinein.
Wie wichtig ist und wird “mobile”?
“Mobile” ist in einer Hinsicht einmal ein neuer Lieferkanal für Informationen. Und da sowohl Nachfrage als auch Angebot von Tarifen und Endgeräten wachsen werden, wird auch die Bedeutung steigen. Auf der anderen Seite spielt sich “mobile” auf einer kommunikativen Ebene ab. Das Handy ist da zur Kommunikation via Ton, Text, Bild und Video. One to One, One to Many, Many to Many. Und es ist Werkzeug für die Bewältigung der Informationsflut sowie Produktivitäts-Gewährleister in Überbrückungssituationen (z.B. Reise- und Wartezeiten).
Viele Möglichkeiten für Verlage. Zeitraum bis zum Erreichen einer relevanten kritischen Masse: Ungewiss. Benefits einer frühen Adaption: Lektionen. Was man schon weiß kommt demnächst hier.
Welche Strategien greifen für Soziale Netzwerke und Web2.0?
Xing, Facebook, MySpace, diverse VZs. Die Verleger fragen sich gerade, was diese Seiten denn für die Leute tun. Warum verbingen sie so viel Zeit dort? Und womit verdienen diese Seiten Geld? Doch die Frage die am Ende bleibt: Was muss ich tun um nicht ins Hintertreffen zu geraten? Soll ich auch ein Netzwerk anbieten? Soll ich eines in meine Seite integrieren? Soll ich was auf den anderen Seiten machen?
Die heute verfügbaren Internet-Technologien verleihen einem Medienhaus mächtige Werkzeuge für den Umgang mit dem Publikum. Aber nur dann, wenn die gesamte Strategie auf die Angebote abgestimmt ist und es zu den Zielen und der Überzeugung des Verlags passt. Möglichkeiten für eine intelligente Verzahnung stellen wir bald hier vor.
Wie muss (s)ich mein Unternehmen verändern?
Die Aufgaben und Anforderungen von Mitarbeitern in Verlagen ändern sich. Redaktionen müssen sich an schnellere Zyklen, engere Verzahnung und direkte interaktion mit dem Leser gewöhnen. Im Marketing muss über das Verbreitungsgebiet hinaus gedacht werden und neue Kommunikationskanäle erschlossen werden. Von der Verlagsleitung werden neue Produkte und Lösungen erwartet, die Verkauf und Vertrieb Ressourcen-neutral in inkrementelle Erlöse umwandeln können. Und mit dem Monopol ist es auch vorbei.
Verlage haben bereits andere Veränderungen in ihren Abläufen und Geschäftsmodellen verkraftet. Geschwindigkeit, Frequenz und Intensität haben sich jedoch intensiviert. Ein Unternehmen aufzustellen, dessen einzige Konstante Veränderung ist wird die Herausforderung sein, der wir uns in diesem Teil stellen werden.
Was ist die Zukunft für Print?
Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der konventionellen Verlags-Geschäftsmodelle ist intensiv. Selbst ein “Wir glauben an Print” kommt keinem mehr mit voller Stimme über die Lippen. Dabei sieht die Zukunft nur dann düster aus, wenn man nichts ändert. Stellt man die Bedürfnisse, Erwartungen und Wünsche der Kunden in den Mittelpunkt, sind auf einmal durchaus spannende Geschäftsmodelle möglich. Über die Zukunft von Print-Modellen berichten wir in dieser Reihe und bald mit ein paar interessanten Ideen aus dem Markt.
Soweit einmal die Themen, die mir in meiner täglichen Arbeit begegnen. Über Ergänzungen freue ich mich wie gesagt und wenn Lust besteht auf spannende Diskussionen.